„Frauen in Führungspositionen“ mit Dr. Patrick Heißler und Katharina Schulze

„Frauen in Führungspositionen“, lautete das Thema des munteren gesellschaftspolitischen Abends am Donnerstag, 3. Oktober, um 19 Uhr bei „Dimi“, zu dem der Grüne Bürgermeisterkandidat Dr. Patrick Heißler die Landtagsabgeordnete Katharina Schulze eingeladen hatte. In lockerem aber sachlichen Ton schlugen beide Gesprächsteilnehmer einen weiten Bogen. Das reichte von der Lohnungerechtigkeit zwischen Mann und Frau über Schulzes Begegnung mit dem charismatischen ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama über sozialen Wohnungsbau bis hin zu persönlichen Gefühlen eines Politikers beim Häuserwahlkampf.

„Jedes Mal wieder klopft mir das Herz, bevor ich die Klingel drücke“, bekannte Patrick Heißler, der abends nach seiner Arbeit als Führungskraft bei „Delo“ versucht noch möglichst viele Bürger Kauferings für die anstehende Wahl zu begeistern. Manche öffneten für ihn nur den Gucker, aber nicht die Türe, „oft aus Sorge ein Staubsaugervertreter erwarte sie draußen.“ Dafür öffneten ihm wiederum andere Bürger ihre Herzen für das, was in Kaufering in der Politik geändert werden müsse. „Durch diese Gespräche habe ich sehr viel über die Menschen und ihre Bedürfnisse vor Ort gelernt“, bekannte Heißler, der dieses Gefühl mit Schulze teilt, die ähnliche Erfahrungen einst in den USA gesammelt hatte.

Gegenseitig warfen sich die Referenten die Bälle zu und nahmen Fragen aus dem Publikum auf. Einig waren sich beide darin, wie ungleich die Verteilung von Frauen in Führungspositionen sei. Uneinigkeit herrschte jedoch darin, wie man diesen Zustand am besten schnell ändern könne. Während Schulze auf eine Quote pochte, hielt Heißler es für fragwürdig eine eventuell schlechter qualifizierte Frau statt einem möglicherweise besser gebildeten Mann via Quote zu besetzen.

„Keine Sorge! Es gibt mehr hervorragend qualifizierte Frauen als Männer.“ Argumentativ bestens gewappnet bewies die gebürtige Herrschingerin auf humorvolle Art und Weise, dass sie nicht umsonst „verbale grüne Schnellfeuerwaffe“ von der Presse genannt wird. Frauen stellten die Hälfte der Bevölkerung dar und hätten im Schnitt gleiche oder sogar höhere Bildungsabschlüsse, Qualifikationen sowie Führungskompetenzen. Trotzdem seien sie in den Chefetagen im Vergleich mit den männlichen Kollegen stark unterrepräsentiert.

Eine Ursache für diese Chancenungleichheit erkannten Heißler und Schulze darin, dass der Arbeitsmarkt sowie die Führungsebenen lange Zeit nur durch Männer geprägt wurden. Eine weitere Erklärung für den Mangel an Frauen in den Führungsetagen sah Schulze auch in der Arbeitsteilung in Haushalt und Familie, besonders der zeitaufwändigen Mutterrolle. „Aber ist es nicht schön, wenn sich eine Mutter zuhause auch die Zeit nimmt und sich um die Kinder kümmert?,“ fragte Heißler, der sich als wertkonservativ mit grünem Herzen zeigte.

„Klar“, fand Schulze, „jeder soll das so machen, wie er es am liebsten möchte.“ Nur manche Leute könnten sich diesen Luxus der freien Wahl gar nicht leisten. Nach den traditionellen Rollenerwartungen seien die Frauen in unserer Gesellschaft immer noch hauptverantwortlich für die Fürsorge der Kinder, die etwa durch mangelnde Kleinstkinderbetreuung andere Aufgaben außerhalb des Haushaltes weitgehend ausschließe.

Eine Zuschauerin beklagte sich: „Das Thema wird seit Jahrzehnten diskutiert, aber es ändert sich viel zu wenig.“ Aus der Opposition heraus könne man leider nur immer wieder mehr Gleichberechtigung einfordern und Anträge hierzu einreichen, gab Schulze ihr Recht. „Die Entscheidungsträger aber sind andere.“ Daher sei es besonders wichtig, wo die Leute bei den Wahlen ihr Kreuzchen setzten. „Andere Parteien setzen nun mal andere Schwerpunkte“, betonte Schulze, „aber unser Herz brennt genau für diese entscheidenden Themen wie Gleichberechtigung.“ Patrick Heißler blickte hier nach Kaufering, wo in den letzten Jahren viel in Kindergärten investiert wurde und wo die Gemeinde drittgrößter Arbeitgeber ist. Kaufering kann die Themen Kinderbetreuung und auch familienbewusste Arbeitszeit damit direkt beeinflussen.

Heißler schloss mit einem Aufruf an die Frauen sich mehr in die Lokalpolitik einzumischen und sich für die nächste Gemeinderatswahl im Frühling aufstellen zu lassen. „Ich bin sicher, dass sich der Tonfall und die Kommunikation im Marktgemeinderat deutlich verbessern würden.“ Unter den frech-frischen Musikeinlagen von Silvia Elvers und Cornelia Utz klang der unterhaltsame Abend aus. 

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