Hauptsache Maske: Ein Zwischenruf

Beitrag von Prof. Dr. Markus Veit (markus@veit-office.de)

Warum?: Ich bin entsetzt über Stellungnahmen aus der Politik und von den Medien und schließlich auch in jüngster Zeit über Urteilsbegründungen zur Maskenpflicht und habe mich deshalb entschlossen, aus meiner Sicht das Wichtigste zusammenfassen, was es zu Masken im Lichte der derzeitigen Verwendung und dem diesbezüglichen behördlichen Zwang zu sagen gibt. Das ist meine persönliche Meinung, die widerspiegelt jedoch den derzeitigen Stand der Evidenz. Mit diesem Zwischenruf greife ich einige aus meiner Sicht wichtige Aspekte auf, die Themen betreffen zu denen ich meine, einen angemessenen Sachverstand zu haben.

Wer bin ich? Ich bin Pharmazeut, in den letzten 30 Jahren habe ich Firmen geleitet, die Inverkehrbringer von Arzneimittel und Medizinprodukten bei der Zulassung bzw. Zertifizierung ihrer Produkte unterstützt haben. Auch Schutz-Masken im Gesundheitsbereich gehören zu zertifizierungspflichtigen Medizinprodukten. Ich bin weder links noch rechts, ich bin bisher Wähler etablierter Parteien – zuletzt habe ich Grün gewählt. Ich bin kein „Verschwörungstheoretiker“ (Es ist schon bedrückend, dass man heute diesen Disclaimer braucht). Ich versuche evidenzbasiert zu urteilen, ich habe eine Meinung, aber maße mir nicht an, Fakten checken zu können und Beiträge von Dritten in wahr oder unwahr zu kategorisieren.

Schutz-Masken: Bis Ende letzten Jahres gab es Normen, die eingehalten werden mussten und ohne deren Erfüllung Schutz-Masken in Deutschland nicht verkauft werden durften. Vor einem Jahr wäre es ein Skandal gewesen, wenn Professionelle im Gesundheitsbereich – wie das RKI – zur Verwendung von Masken aufgerufen hätten, die nicht ein Zertifizierungsverfahren für Medizinprodukte durchlaufen haben und kein CE-Signum tragen. Dabei gibt es für unterschiedliche Masken in der Medizin und im Gesundheitsbereich eine ganze Reihe von Anforderungen, Normen und Regeln zu beachten, die wir national und international in den letzten Dekaden erarbeitet haben. Heute gilt das offenbar alles nicht mehr. Jeder kann Masken für den Infektionsschutz nähen, Herr Söder empfiehlt sogar, Schals oder auch anderen Kleidungsstücke als Maskensubstitut zu verwenden. Auch die verbreitete Ansicht man können Materialien, wie Staubsaugerbeutel verwenden, ist fatal. Und das kann in der Tat richtig gefährlich sein, wegen der darin enthaltenen Glasfasern.

Schutz durch Masken: Im Gesundheitsbereich werden Masken verwendet, um Menschen und Produkte zu schützen. Beispielsweise schützen sie Patienten im OP vor Keimen (nicht Viren!), die von den Ärzten kommen, oder sie schützen die Ärzte bei der Behandlung vor Keimen, die von den Patienten kommen, oder bei der aseptischen Herstellung die Produkte vor Keimen, die von den herstellenden Menschen kommen. Daneben gibt es außerhalb des Gesundheitsbereichs zahllose andere Einsatzgebiete für Masken. Beide Bereiche finden wir auch hier, den Schutz der Menschen und auch Einsatzgebiete, wo Masken dazu dienen, Gegenstände zu schützen. Vor was wird geschützt? Stäube, Dämpfe, Gase, Aerosole – ja sogar ausgeatmeten Wasserdampf. Auch alle diese Masken müssen individuelle Normen erfüllen. Alle Normen – im medizinischen, wie im nichtmedizinischen Bereich -zielen einerseits darauf ab, die Funktionalität der Schutzmasken sicherzustellen (im Übrigen nicht nur bezüglich der Wirksamkeit der Filterwirkung, sondern auch hinsichtlich der Minimierung des Nebenstroms der seitlich durch die Maske geht!) und andererseits den Anwender vor der Einatmung von lungengängigen Stoffen und Stäuben, die aus den Masken kommen können, zu schützen und die Beeinträchtigung der Atmung auf ein Minimum zu reduzieren.

Seit März ist es nun völlig egal, welche Masken wir zum Infektionsschutz verwenden, ob wir die aus der Werkstatt holen oder in der Apotheke kaufen – Hauptsache Maske, unfassbar! Schon daraus lässt sich ableiten, dass der Schutz all dieser Masken vor Viren sehr zweifelhaft ist. Da muss man nur den gesunden Menschenverstand einsetzen, es braucht kein Studium der wissenschaftlichen Literatur.

Viren und Masken:
Will man einzelne Viren aus Luft und Wasser filtern, braucht man spezielle Filter. Diese Filter haben eine so kleine Porengröße, dass man durch sie nie atmen könnte. Das heißt, einzelne Viren kann man mit Masken, durch die man atmen kann, nicht filtern.

Viren werden jedoch nicht einzeln, sondern in Aerosolen, in mikroskopisch kleinsten Tröpfchen mit der Atemluft und beim Husten (auch beim Singen) ausgestoßen. Bei diesen Aerosolen muss nun Folgendes beachtet werden. Erstens ist es wichtig die Partikelgröße zu betrachten, von der hängt nicht nur ihre Persistenz und Lebensdauer ab, sondern auch wie tief sie in die Atemwege eindringen können. Zweitens ist die Viruslast der Aerosole von großer Bedeutung, wenn man das Risiko einer Infektionsübertragung bewertet. Nach den bisher vorliegenden Daten können wir davon ausgehen, dass für die Übertragung einer Infektion eine gewisse Viruslast notwendig ist. Diese Viruslast betrifft vermehrungsfähige Viren und kann nicht über das bloße Messen von Virus-RNA in Aerosolen bestimmt werden.

Je kleiner die Partikel sind desto länger schweben sie in der Luft und desto tiefer können sie beim Einatmen in die Atemwege eindringen. Gerade aber kleine Partikel werden von den sogenannten Alltagsmasken aber auch von chirurgischen Masken nicht zurückgehalten! Nur Masken, die mindestens den so genannten FFP2-Standard erfüllen, oder besser FFP3, filtern kleinen Tröpfchen aus der ein- oder ausgeatmeten Luft. Diese Masken sind zurzeit weltweit sehr knapp und sollten medizinischem Personal vorbehalten werden. Größere Aerosol-Partikel können auch von chirurgischen Masken und ggf. auch von sogenannten selbstgefertigten Alltagsmasken zurückgehalten werden. Mit zunehmender Größe steigt die Wahrscheinlichkeit, dass beim Ein- oder Ausatmen die Aerosole den Fasern der Maske so nahekommen, dass sie sie berühren, sie können dann an der Faser haften bleiben. Das wird mit zunehmendem Partikeldurchmesser effizienter. Solche größeren Partikel können aber kaum über mehr als einen Meter übertragen werden, sie sinken sehr schnell zu Boden. Für den Schutz vor solchen Partikeln brauchen wir eigentlich gar keine Masken, wenn wir anderen Menschen nicht zu nahekommen. Das alles gilt vor allem in geschlossenen Räumen. Im Freien persistieren Aerosole in der Regel nicht sehr lange und nach allem was wir wissen, überleben dort die Corona-Viren auch nicht lange, weshalb hier Masken eigentlich nicht gebraucht werden, oder nichts nützen, da Aerosole nur dann langlebiger sind, wenn die Partikelgrößen sehr klein sind und dann mit „normalen“ Masken kein Schutz besteht..

Neben den Eigenschaften der Materialien, die für die Masken verwendet werden, hängt die Effektivität von einer Vielzahl anderer Faktoren ab, wie Nebenflüssen an der Maske vorbei, Sitz und Handhabung der Maske, Art und Häufigkeit der Reinigung der Maske, und anderen.

Eine Abscheidung von Aerosolen an der Maske bedeutet aber auch, dass diese dann im Gewebe der Maske enthalten sind. Wenn wir infizierte Personen betrachten (siehe dazu im nächsten Absatz) reichern sich also Viren an den Fasern der Masken an.

Es werden nun zunehmend Studien publiziert, mit denen im vorstehenden Kontext gezeigt werden soll, welche Masken wie effizient im Sinne eines Infektionsschutzes sind. Viele der Daten aus solchen Studien sind aber kaum geeignet, genau diese Fragestellung zu untersuchen, auch wenn der Titel der Studien oder die Interpretation der erhaltenen Ergebnisse durch die bestenfalls halbgebildeten „Faktenchecker“ der Medien das suggerieren.

Machen Sie sich deshalb selbst ein Bild und prüfen Sie sorgfältig die Aussagekraft solcher Studien. Dazu reichen die folgenden drei folgenden Kriterien:

1. Sind die Daten und erhaltenen Ergebnisse allgemeingültig oder betreffen sie nur einen bestimmten Maskentyp, der in der Studie untersucht wurde? Ist die Studie repräsentativ? Das ist wichtig, weil die unterschiedlichsten Masken getragen werden, um die behördlichen Auflagen zu erfüllen. Ergebnisse, die mit einem bestimmten Maskentyp erhalten wurden, lassen sich in der Regel nicht auf einen anderen Maskentyp übertragen.

2. Sind die Daten repräsentativ für die Luftströme und Aerosolpopulationen, die beim Ein- und Ausatmen evident sind, oder beim Husten? (Indem man eine Maske zwischen zwei Hamsterkäfige spannt kann man das sicher nicht abbilden.)

3. Zeigen die Daten, dass die ein- oder ausgeatmete Viruslast vermehrungsfähiger(!) Viren durch die Masken reduziert werden kann? Das bloße Messen des Rückhaltevermögens von Aerosolen erlaubt keine Beantwortung dieser Frage; auch nicht das Messen von Virus-RNA in Aerosolen.

Damit können Sie leicht ermitteln, ob eine Studie tatsächlich Evidenz generiert, dass Masken das Infektionsrisiko senken. Die mangelhafte Schutzwirkung von Alltagsmasken als Schutz vor Infektionen mit Viren ist in der wissenschaftlichen Welt basierend auf den bisher vorliegenden Daten unstrittig. Das wissen auch Herr Drosten und das RKI, deshalb wurde auch zunächst von der Verwendung von Masken abgeraten. Warum es zu einer Änderung in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit kam und einem Zwang, Masken in bestimmten Situationen zu tragen, darüber kann man nur spekulieren – zumal das zu einem Zeitpunkt passierte, als der Infektionsdruck bereits am Abklingen war.

Was sind die Risiken von sogenannten Alltagsmasken? Ein Risiko, auf das anfangs auch das RKI immer wieder hingewiesen hat, ist, dass damit eine vermeintliche Sicherheit suggeriert wird. Ein anderes (wissenschaftlich bisher unbewiesenes, aber plausibles) Risiko ist, dass das Übertragungsrisiko steigt und nicht abnimmt! Warum ist das so? Wenn wir beispielsweise durch Wolle oder Baumwolle (die häufig bei den selbstgefertigten Masken verwendet und in unzähligen Foren empfohlen wird) ausatmen, kondensiert sich die Feuchtigkeit in der Atemluft an den Fasern. Das hängt mit der Mikrostruktur der Fasern zusammen. Dabei bildet sich auf diesen ein Wasserfilm (das kann jeder mal ausprobieren). In mehr oder weniger großen Ausmaß geschieht das auch bei textilen Geweben. In diesem Habitat können Viren bestens überleben, es ist geradezu optimal für sie. Anders als professionelle Masken werden die selbstgefertigten nach der Benutzung nicht entsorgt, sondern die Menschen legen sie irgendwo ab und tragen so möglicherweise zur Verbreitung der Viren bei. Dieses Ablegen wird ja in Schulen und Gasstätten behördlicherseits auch noch verordnet, indem man beim Kommen und Gehen eine Maske tragen muss und dann nicht mehr – welch ein Unsinn! Die Verwendung von selbstgenähten Masken kann deshalb aus meiner Sicht mit einer Gefährdung für Andere verbunden sein. Das alles gilt, wenn man selbst infiziert ist. Ein Schutz vor Ansteckung bieten alle diese Masken ohnehin nur bedingt – wenn überhaupt (siehe dazu meine Ausführungen weiter oben im Text). Das gilt auch deshalb, weil man sich beim Tragen von Masken häufiger ins Gesicht fasst. Beobachten Sie das bitte selbst! Menschen mit Masken fassen sich häufiger ins Gesicht(!) Damit steigt auch das Risiko, dass man Viren, die ggf. an Oberflächen persistieren ins Gesicht bringt und vice versa. Wenn man also infiziert ist und mit einer (feuchten) selbstgebastelten Maske voller Viren durch den Supermarkt geht, sich dann ins Gesicht fasst, macht man eigentlich alles falsch. Man gefährdet Andere, wenn man infiziert ist und sich selbst, wenn man nicht infiziert ist! Eine Beurteilung, wie in diesem Kontext das Tragen von (selbst gefertigten) Baumwoll-Masken von Verkaufspersonal im Lebensmittelbereich zu bewerten ist, überlasse ich jedem selbst.

Der Schutz mit professionellen Masken funktioniert auch nur dann, wenn man professionell damit umgeht. Dazu gehört auch, dass man die Maske richtig absetzt (an den richtigen Stellen anfasst) und regelmäßig wechselt und richtig entsorgt und sich danach gründlich die Hände reinigt, besser desinfiziert. Das erfordert auch bei Fachpersonal Training! Schließlich kommt es auch auf die Art der Maske an, ob sie überhaupt die Qualität hat, Tröpfchen angemessen abzufangen und vor allem keine Feuchtigkeit zu speichern. Schließlich dürfen Masken – in Abhängigkeit vom Typ der Maske – immer nur einen bestimmten Zeitraum getragen werden.

Was ist ansonsten wichtig? Masken helfen nur dann, wenn es ein Risiko gibt, dass sich Infizierte und Nicht-Infizierte begegnen. Wie groß ein solches Risiko ist, kann sich jeder ausrechnen. Zurzeit haben wir etwa 10.000 registrierte Infizierte und selbst wenn man von einem Faktor 10 von symptomlos Infizierten ausgeht, muss ein Gesunder schon sehr vielen anderen Menschen nahekommen bevor er (statistisch gesehen) auf einen Infizierten trifft.

Ob von Masken ggf. auch eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht, wissen wir nicht. Für Verkaufs- und Ordnungspersonal, in der Gastronomie, bei Langstreckenflügen und in vielen anderen Bereichen gibt es zurzeit eine behördlicherseits vorgeschrieben Maskenpflicht, die sich auf die komplette Arbeitszeit bezieht, ohne dass dafür geeignete Masken zur Verfügung gestellt werden. Im medizinischen Bereich werden über so lange Zeiträume ausschließlich für ihren Einsatz-Zweck geprüfte und zertifizierte Masken verwendet. Insofern haben uns die Behörden einen großen Feldversuch verordnet mit denen wir diese Risiken evaluieren werden, die von sogenannten Alltagsmasken ausgehen. Es ist sicher davon auszugehen, dass es Risiken gibt!

Ob in diesem Kontext das, was uns die Politik, von den Medien unterstützt, einreden will tatsächlich der Sache dient und nicht vielleicht sogar gefährlich sein kann, will ich mal mit einem großen Fragezeichen versehen. Dazu kommt, dass die Anzahl an Infizierten mittlerweile so gering ist, dass die Notwendigkeit Masken zu tragen aus meiner Sicht völlig entfallen ist. Masken brauchen wir übrigens auch dann nicht, wenn eine ausreichende Distanz gewahrt wird. Durch die von Politik und Medien geschürte Angst und Verunsicherung sehe ich inzwischen sogar Menschen mit Masken allein im Auto oder auf dem Fahrrad … sic! Von den Kindern mit Masken in Schulen ganz zu schweigen. Es gibt weltweit keine belastbaren Daten, dass Kinder und junge Erwachsene als Infektionsüberträger eine bedeutende Rolle spielen.

Nota bene: Im Umgang mit Risikopatienten bzw. -gruppen brauchen wir Masken. Dann aber zertifizierte und geprüfte und keine Alltagsmasken!!

Das wäre mein Beitrag zu dieser Diskussion.

23.5.2020

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