Homöopathie auf dem Schleudersitz?

Brief an die Landesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen von Regina Pilz 21.09.2020

Beim letzten Parteitag im Herbst 2019 wurde ein Antrag eingebracht zum Thema „Homöopathie“. Aus bekannten Gründen wurde dieser erst mal zur Seite gelegt. Und nun kommt er erneut auf den Tisch. Auf der Grünen-Deligierten-Konferenz im November 2020 soll nun darüber abgestimmt und ein entsprechend Passus in das Grundsatzprogramm aufgenommen werden.

Dem Beschluss des Bundesvorstandes „Gesundheit und Wissenschaft“ nach wird die Zusammenarbeit der Schulmedizin und der naturheilkundlichen Richtungen zugunsten der Schulmedizin geschwächt und auf lange Sicht verunmöglichst.
Die Praxis zeigt, dass seit langem in Krankenhäusern vielfach Homöopathika eingesetzt werden. Weiter gibt es große homöopathische und naturheilkundlich arbeitende Abteilungen, die an Kliniken angeschlossen sind. Will man die allen Ernstes zur Disposition stellen und schließen? Will man Krebspatienten, die „austherapiert“ sind und bisher als letzte Behandlung eine ISCADOR-Behandlung (= Homöopathie) von der Krankenkasse erstattet bekommen, diese Behandlung verwehren? Gerade in der Onkologie erfahren die Patienten mit Homöopathie eine wichtige Begleitung zum Erhalt und Verbesserung der Lebensqualität. Die Kosten für Homöopathie und Phytotherapie sind im Vergleich zur Allopathie gering und stehen dazu in keinem Verhältnis.
Es sollte gefordert werden, die naturheilkundliche und homöopathische Medizin in der regulären Ärzteausbildung zu vermitteln. In der Heilpraktikerausbildung nimmt die Vermittlung, was Heilpraktiker nicht behandeln dürfen, bereits jetzt einen sehr breiten Raum ein. Mir ist bekannt, dass die Heilpraktiker äußerst verantwortungsvoll umgehen. Umgekehrt ist es auch wichtig festzuhalten, dass – wenn die Schulmedizin nicht mehr weiter kann – alternative Heilmethoden oft weiterhelfen und zur Verfügung stehen sollen.

So plädiere ich dafür, dass der Medizinpluralismus in Deutschland weiterhin hohe Priorität hat und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen medizinischen Disziplinen gefördert wird. Dass dies bereits funktioniert, beweist die vergleichsweise hohe Qualität unseres Gesundheitssystems.

Gemäß Arzneimittelgesetz von 1976 mit der letzten Änderung vom Juni 2020 sind die komplementär-medizinischen Disziplinen bereits anerkannt und verankert. Im Vorfeld dazu gab es bereits intensive Diskussionen und entsprechende Untersuchungen. Es gibt also keinen Grund hier eine Debatte von Zaun zu brechen, die bereits vor Jahren geführt wurde. Die Wirksamkeit der verschiedenen komplementär-medizinischen Angebote ist hinreichend belegt (Studien dazu gibt es ausreichend!). Im Arzneimittelgesetz ist ausdrücklich der Wissenschaftspluralismus (nicht einseitig nur die Naturwissenschaft) angesprochen, der die spezifischen Aspekte der „Besonderen Therapierichtungen“ berücksichtigt. Hinter diesen Errungenschaften dürfen wir in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr zurück. Von Bündnis 90/Die Grünen erwarte ich, dass sie diese Werte verteidigt und vertritt!

Es ist mir ein großes Anliegen, den Menschen weiterhin eine gute medizinische Versorgung zugewährleisten, dazu gehört unabdingbar die natur- und menschengemäße Medizin der Phytotherapie, Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin, die als komplementäre Medizin zusammengefaßt werden kann. Der Erfahrungsschatz der entsprechend arbeitenden Ärzte und Therapeuten ist ebenso evident wie die labortechnischen Untersuchungen!

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