Statement zur LandsbergHistoryApp

Warum ich die LandsbergHistoryApp nicht unterstützen kann.

Ich habe die App installiert und sie ausprobiert – sowohl in Berlin, als auch in Landsberg. Die Idee und Umsetzung für die Anwender ist gut gelungen. Das Vorhaben, eine LandsbergHistoryApp aufzubauen, finde ich sehr gut und es ist ein klasse Beitrag für die Bildung der Allgemeinheit. Ich würde daher den Antrag – und damit das Projekt – gerne unterstützen. Aufgrund meiner beruflichen Expertise habe ich bei den technischen und lizenzrechtlichen Aspekte genauer hingesehen und muss den Antrag aufgrund der nachfolgenden Gründe leider ablehnen.

Wie Sie wissen, habe ich über Herrn Salzberger Antworten ein paar technische Fragen gestellt. Die Antworten hören sich vielleicht gut an, haben aber wenig technischen Tiefgang und beweisen nur bedingt technische Expertise. Speziell in Landsberg scheint die nötige technische Kompetenz nicht vorhanden zu sein.

Für eine abschließende Bewertung der technischen Reife wären mindestens weitere Fragen zur Teststrategie, Software-Architektur und Continuous Delivery zu stellen.

Zugegebenermaßen, technische Expertise lässt sich nachrüsten. Ich sehe aber noch ein viel größeres Problem:

Software und Inhalt sind bei dieser Anwendung separate Einheiten. Die Erstellung der Inhalte wird viel Geld und Zeit kosten, dafür aber einen Wert für viele Jahrzehnte schaffen. Um diesen Wert dauerhaft zu sichern, muss der Inhalt durch Software auch dauerhaft zugreifbar bleiben. Die Ersteller haben sich – vermutlich aus gutem Grund – dafür entschieden ein eigenes CMS zu entwickeln. Leider haben sie sich auch dafür entschieden, die Software als Closed-Source mit einer nicht-freien Lizenz anzubieten. Damit die Software den gemeinnützigen Zweck erfüllt, den sie vorzugeben scheint, müsste genau das Gegenteil der Fall sein: Open-Source mit nicht-viraler, kostenloser Lizenz.

Auf der einen Seite wird nur dadurch die Software der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Auf der anderen Seite kann nur dadurch das volle Potential der Software entfaltet werden und durch die Unterstützung der Community der technische Fortschritt dauerhaft gesichert werden.

Für Landsberg bedeutet das konkret: Wir bekommen für die Software nur eine Lizenz für 10 Jahre und wissen nicht, ob wir den Inhalt anschließend noch verwenden können. Möglicherweise wird die Software sogar schon vorher unbrauchbar. Der investierte redaktionelle Aufwand wäre verloren.

Kurz gesagt: Ich sehe Projekt nicht als gemeinnützig und langfristig, sondern als kommerziell und kurzfristig an.

Jürgen Strickstrock

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